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Bachwochenmittwoch: Stargast Wolfgang Huber auf der Kanzel und Ludwigsburger Uraufführung
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Bischof i.R. Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Huber

Martin-Luther-Nachtgebet mit modernem Sound

Obwohl er dreimal als Bundespräsident im Gespräch war, hat die Parteipolitik das nicht zugelassen. Beim letzten Mal hat er selbst abgesagt. Mit Fug und Recht kann man Prof. Dr. Wolfgang Huber aber als Bundespräsidenten a.D. der Protestanten in Deutschland bezeichnen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat ebenso wenig oder viel Macht wie ein Bundespräsident und wirkt vor allem durch das Wort. Gleichwohl hat Bischof Huber in seiner Zeit als EKD-Präsident mit dem Impuls für tiefgreifende Reformvorhaben für die schrumpfende Volkskirche eine Menge bewirkt. In Greifswald ist davon eine Menge zu spüren. Hubers Vorschlag, dass zu kleine evangelische Landeskirchen fusionieren sollten, wurde mit der Nordkirche vorbildlich umgesetzt, und von den EKD-weiten "Kompetenzzentren", die auf Hubers Anregung gebildet wurden, gibt es mit dem "Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung" eines in Greifswald!

Streitbar war er immer und bleibt es, z.B. mit seinem Einsatz für den umstrittenen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche, für Sonntagsschutz, für Wahlfreiheit im Religionsunterricht und gegen die Forschung an Embryonen. Der Vierundsiebzigjährige hat einen dicht gefüllten Terminplan: Huber ist als Hochschullehrer in Berlin, Heidelberg und in Südafrika tätig, gerade hat er ein neues Buch veröffentlicht, als Berater in Ethikfragen und als Vortragsredner ist er weltweit gefragt. Seine Ehrenämter sind nicht zu zählen. Ein Wunder, dass in diesem engen Zeitplan noch eine Lücke für die Greifswalder Bachwoche zu finden war: Mittwoch um 10 Uhr hält Wolfgang Huber im Dom St. Nikolai die Predigt bei der "Geistlichen Morgenmusik".

Anschließend gibt es die jährliche Dorfkirchenkonzertreise, diesmal zum Schloss Ludwigsburg. Achtung: Abfahrt der Busse ist - anders als im Programmheft abgedruckt - nicht ab ZOB, sondern ab Bushaltestelle Bahnhofstraße, Ecke Martin-Luther-Str.! Abfahrt 11.30 Uhr. Es sind noch Plätze frei, dort kann man direkt am Bus bezahlen. Auch Karten für die Konzerte in Ludwigsburg gibt es dann an Ort und Stelle.

Geboten wird dort vielerlei: Zweimal, 12 Uhr und 16.30 Uhr, gibt es in der Kapelle Ludwigsburg Mittelalter-, Renaissance- und Barock-Musik mit der Musikgruppe "Rabengesang". Musiziert wird auf Instrumenten dieser Zeit wie Dudelsack, Drehleier, Harfe, Portativ, Waldzither. Im Zentrum steht aber eine Uraufführung, für die sich der Vorhang im Schloss Ludwigsburg um 14.30 Uhr hebt: Jochen A. Modeß komponierte nach einem Text von Peter Elwitschger "PROTEST AN TENdenzen", eine musikdramatische Darstellung des "Millstätter Bauernaufstands" von 1737. Von 1598 bis 1773 stand Millstatt in Oberkärnten unter der Herrschaft der Jesuiten. Den Untertanen wurden in dieser Zeit hohe Abgaben abverlangt, was bald für Widerstand in der überwiegend bäuerlichen (und zu größeren Teilen wohl protestantisch gesinnten) Bevölkerung sorgte. Die Vertreibung der Jesuiten schlug fehl und endete mit drastischen Strafen für die Aufwiegler... Vor und nach diesem Konzert gibt es die Gelegenheit einer Führung durch das Schloss Ludwigsburg.

Dringend abraten müssen wir vom spontanen Besuch der "Großen Kammermusik", 20 Uhr, in St. Jacobi mit Bachs Brandenburgischen Konzerten. Das Konzert ist restlos ausverkauft!

Ganz ohne Eintrittskarten und kostenlos teilnehmen kann man um 22 Uhr im Dom St. Nikolai am "Martin-Luther-Nachtgebet" mit Abendmahlsfeier. Diesmal kommt der Sound von einer Band und geboten werden vom Kammerchor neue geistliche Lieder und Arrangements von Jochen A. Modeß.

Um 24 Uhr spielt Landeskirchenmusikdirektor Prof. Frank Dittmer im Dom St. Nikolai als meditative Musik zum Tagesausklang "Einige canonische Veränderungen über das Weihnachtslied 'Vom Himmel hoch, da komm' ich her'" von Johann Sebastian Bach, auch dies eine Komposition nach einem Luther-Choral.

Für Menschen, die Musik nicht nur konsumieren, sondern auch selbst singend mitgestalten wollen, gibt es wieder die beliebten (ebenfalls kostenlosen!) Mitsingproben für die Chor-Mitwirkung an der Bachkantate in der Geistlichen Morgenmusik des folgenden Tages, Dienstag bis Freitag, jeweils 18 Uhr in der Medienwerkstatt des Caspar David-Friedrich-Instituts, Bahnhofstr. 50, am Samstag ausnahmsweise Open Air auf der Luther-Straße, und zwar schon um 12 Uhr!

Kartenvorverkauf für kartenpflichtige Konzerte bis zum Tag des jeweiligen Konzertes in der Evangelischen Dombuchhandlung, Domstr. 19 und Buchhandlung Scharfe, Lange Str. 68. Restkarten jeweils an der Veranstaltungskasse.

Greifswalder Bachwoche, Geschäftsstelle, Bahnhofstr. 48/49, 17489 Greifswald, Tel.: (03834) 863521; Fax: (03834) 594228; aeheike@greifswalder-bachwoche.de

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