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Bachwochendienstag: "Ein feste Burg ist unser Gott" la Mendelssohn und Orgelmusik made in U.S.A.
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Organist Geoffrey Stanton, Michigan USA

Bachwoche von morgens bis Mitternacht

Nicht nur der Thesenanschlag Martin Luthers im Jahr 1517 lässt seither Reformationsjubiläen sprießen, auch andere Daten der Reformationsgeschichte bringen runde Jahrhunderte später die Gedenkkultur zum Blühen. So komponierte Felix Mendelssohn Bartholdy zum 300jährigen Jubiläum der Augsburgischen Konfession (grundlegendes Bekenntnis aller lutherischen Kirchen weltweit) im Jahr 1830 seine berühmte "Reformationssinfonie" mit der triumphalen orchestralen Interpretation des Luther-Chorals "Ein feste Burg ist unser Gott". Und zum 400. Geburtstag Martin Luthers entstand 1883 die prächtige "Reformationskantate" des heute weniger bekannten Berliner Komponisten Albert Becker, die natürlich auch im Finale Luthers berühmtesten Choral erschallen lässt. Die beiden Werke rahmen im Abendkonzert (20 Uhr, Dom St. Nikolai) eine weitere klanggewaltige Neuauflage eines bekannten Musikstückes: Leopold Stokowskis für groß besetztes Orchester instrumentierte Fassung von Bachs berühmter Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 - im Ohr hat man das ja als Orgelwerk (mit dem markanten Triller am Anfang).

Dem großen Klangerlebnis folgt Kleinkunst im besten Sinne: "ängste Freunde" heißt das "Kabarett mit Musik", das 22 Uhr in der Aula der Universität geboten wird. Es geht um das Geschick eines rechtspopulistischen Politikers in Österreich, der diffuse Ängste seiner Anhänger ausnutzt. Da dies Menschen sind wie du und ich, sind uns deren Ängste nur allzu bekannt? Johannes Michael Modeß, unterstützt von Christoph Bielefeld, Harfe, schlüpft in diesem Ein-Personen-Stück in vierzehn verschiedene Rollen!

Die weltweite musikalische Nachwirkung von Luthers Reformation wird am Nachmittag in St. Marien hörbar. Der Organist und Hochschullehrer Geoffrey Stanton aus Michigan wird um 16 Uhr im Orgelkonzert "Amerikanische Orgelaspekte" vorstellen. Neben Orgelwerken von Bach, Buxtehude und Vivaldi erklingen Kompositionen von hierzulande eher unbekannten amerikanischen Komponisten wie Paul Manz, Everett Titcomb, William Albright, Calvin Taylor oder John Knowles Paine.

Neben der für die Bachwoche an jedem Tag zentralen "Geistlichen Morgenmusik" (10 Uhr, Dom St. Nikolai) mit der Aufführung der Bachkantate "Gelobet seist du Jesu Christ" BWV 91 nach dem gleichnamigen Luther-Choral rahmen den Tag ein sehr frühes und ein sehr spätes musikalisch-meditatives Angebot: Bereits um 8 Uhr treffen sich Freunde des gregorianischen Gesangs zum "Morgenlob" im sozio-kulturellen Zentrum St. Spiritus, übrigens ein Angebot der Gesellschaft zur Förderung der Greifswalder Bachwoche e.V., und um 24 Uhr spielt Landeskirchenmusikdirektor Prof. Frank Dittmer im Dom St. Nikolai als meditative Musik zum Tagesausklang "Einige canonische Veränderungen über das Weihnachtslied 'Vom Himmel hoch, da komm' ich her'" von Johann Sebastian Bach, auch dies eine Komposition nach einem Luther-Choral.

Ein Mittagsvortrag (Eintritt wie bei der Geistlichen Morgenmusik oder bei der mitternächtlichen dann auch im Orgelmusik frei!) ist der Marienverehrung Martin Luthers gewidmet, an der Luther trotz der reformatorischen Konzentration auf Christus Zeit seines Lebens festhielt. Das hat sich dann auch in Kompositionen des Lutheraners Bach niedergeschlagen, z.B. im lateinischen Magnificat ("Lobgesang der Maria") oder etwa in der Kantate "Mit Fried und Freud ich fahr dahin" (BWV 125), die in der Geistlichen Morgenmusik am Mittwoch erklingt (10 Uhr Dom St. Nikolai), und die Bach im lutherischen Leipzig zum Marien-Fest "Mariä Reinigung" (2. Februar) komponierte. Wie das zusammengeht, erklärt die Hamburger Theologin Dr. Christiane Eilrich um 11.30 Uhr in der Aula der Universität.

Für Menschen, die Musik nicht nur konsumieren, sondern auch selbst singend mitgestalten wollen, gibt es wieder die beliebten (ebenfalls kostenlosen!) Mitsingproben für die Chor-Mitwirkung an der Bachkantate in der Geistlichen Morgenmusik des folgenden Tages, Dienstag bis Freitag, jeweils 18 Uhr in der Medienwerkstatt des Caspar David-Friedrich-Instituts, Bahnhofstr. 50. Kartenvorverkauf für kartenpflichtige Konzerte bis zum Tag des jeweiligen Konzertes in der Evangelischen Dombuchhandlung, Domstr. 19 und Buchhandlung Scharfe, Lange Str. 68. Restkarten jeweils an der Veranstaltungskasse.

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